Wie Menschen Veränderung gestalten

-Nico Weichert, Head of People & Culture bei ARMEDANGELS

„Lieber Nico, herzlich willkommen zu unserem Interview! Was mich natürlich zu Beginn ganz brennend interessiert: Wer ist eigentlich ARMEDANGELS – und wofür steht ihr?“


Hallo Malina, vielen Dank. ARMEDANGELS ist ein Kölner Label und wir beweisen seit 2007, dass Mode auch anders geht: innovativ, zeitlos und produziert nach
verantwortungsvollen Standards für Mensch und Erde. Aus der einfachen Idee, T-Shirts zu bedrucken und über den Verkauf Spendengelder für Projekte und
Organisationen zu sammeln, ist ein Unternehmen gewachsen, das heute zu den größten nachhaltigeren Lifestyle Labels Europas zählt. Mit einem 175-köpfigen Team und vier Kollektionen im Jahr zeigt ARMEDANGELS, dass sich Verantwortung und gutes Produktdesign nicht ausschließen.

„Wenn du an Veränderung denkst, was bedeutet sie dir persönlich? Und hat sich dein Blick darauf verändert, seit du bei ARMEDANGELS bist?“


Veränderung ist für mich allgegenwärtig und begleitet mich seit jeher. Lange vor ARMEDANGELS habe ich gelernt, mich in dynamischen Umfeldern zu bewegen: zwölf Jahre bei der Bundeswehr, anschließend im öffentliche Dienst. Umstrukturierungen, Neuausrichtung und Weiterentwicklung gehörten immer dazu. Bei ARMEDANGELS ist Veränderung Teil des Alltags. Wer kontinuierlich an Prozessen, Performance und Wirkung arbeitet, verändert zwangsläufig etwas.
Entscheidend ist der bewusste Umgang und genau darin liegt die Stärke: Veränderung aktiv zu gestalten.

Foto: ARMEDANGELS


„ARMEDANGELS hat eine klare Mission und Haltung. Gleichzeitig müsst ihr auf Marktveränderungen reagieren und wachsen. Wie schafft ihr es, dass Menschen dabei nicht nur mitlaufen, sondern wirklich mitgestalten?“


Unsere Mission ist ein enormer Antrieb: Produkte zu entwickeln, die Menschen lieben und die unseren Planeten so wenig wie möglich belasten sowie Menschen zu befähigen, aktiv gegen den Klimawandel einzustehen. Viele Menschen kommen genau deshalb zu uns. Gleichzeitig ist klar: Wachstum, Marktveränderungen und neue Anforderungen lassen sich nicht vermeiden. Entscheidend ist, dass Mitarbeitende Veränderung als etwas erleben, das sie aktiv mitgestalten können. Mitwirkung entsteht dort, wo Menschen Verantwortung übernehmen, den Sinn hinter Entscheidungen verstehen und erkennen, welchen
Beitrag sie selbst zur Wirkung leisten.


„ARMEDANGELS steht für Fair Fashion, Nachhaltigkeit und klare Werte. Wie geht ihr mit dem Spannungsfeld zwischen Stabilität und notwendiger Beweglichkeit um?“


Unsere Haltung gibt uns eine gute Orientierung. Gleichzeitig ist es enorm wichtig Klarheit darüber zu haben, in welchen Bereichen Stabilität notwendig ist, wie klare Standards, transparente Lieferketten oder Zertifizierungen, und wo Beweglichkeit möglich ist und sogar benötigt wird, beispielsweise im Marketing oder Design. Das macht vieles komplexer und möglicherweise langsamer als bei anderen Unternehmen. Und genau hier liegt unsere Stärke: Wir bleiben unseren Werten treu, sind flexibel und bewegen uns weiter.

„Gab es eine Phase, in der Veränderung bei euch besonders herausfordernd – vielleicht sogar schmerzhaft – war?“


Die Covid-19-Pandemie war eine solche Phase, die existenzbedrohend und kaum planbar war. Die finanzielle Rettung gelang durch die Produktion von Mundschutz-Masken. Sie half uns die nötige Finanzkraft zu erhalten, um unser Team ohne Entlassungen zu halten. Was wir daraus gelernt haben: Es ist entscheidend, den Zeitgeist früh zu erkennen, Verantwortung zu übernehmen und bewusst zu steuern, wie und wofür wir unsere Ressourcen einsetzen.

„Du bist Head of People & Culture. Was braucht es aus deiner Sicht, damit Veränderung nicht als von oben verordnet wahrgenommen wird?“


Nicht jede Entscheidung lässt sich gemeinsam und basisdemokratisch treffen, daher benötigt es Transparenz und Verständnis. Wir erklären, warum welche Entscheidung getroffen werden und teilen beispielsweise unsere wöchentlichen Geschäftszahlen offen mit allen Mitarbeitenden. Wir arbeiten mit OKRs, die strategische Richtung ist klar definiert, die Ausgestaltung liegt in den Händen der Teams. So entsteht echte Beteiligung innerhalb klarer Leitplanken mit Verantwortung, Vertrauen und Wirkung.

„Was würdest du Organisationen mitgeben, die gerade mitten im Wandel stecken?“


Wandel benötigt Verantwortung, Klarheit und Vertrauen. Wer Veränderung anstößt, trägt auch die Verantwortung dafür. Hier geht es darum den Wirkungsgrad einer Veränderung zu verstehen und entsprechend zu kommunizieren, zu beteiligen und zu begleiten. Klarheit darüber, wofür man steht, wohin man will und was verhandelbar ist, oder auch nicht. Und Vertrauen in die Menschen, die diesen Weg mitgehen und mit gestalten sollen.

Mein Rat: früh zuhören, die richtigen Menschen einbinden, transparent über Konsequenzen sprechen und sich am Ende gemeinsam Zeit nehmen, zu reflektieren, was gut funktioniert hat und welche Learnings gezogen werden können.


„Am Ende unseres Interviews angekommen - was würdest du dir für dich und/oder eurer Unternehmen für die Zukunft der Arbeitswelt wünschen?“


Ich wünsche mir für die Zukunft der Arbeitswelt mehr Kollaboration, deutlich effizientere Prozesse und mehr gemeinsames Vorankommen. Ich glaube, dass KI dabei eine Chance sein kann, wenn sie gleichzeitig energieeffizienter und „grüner“ wird. Für Daily Business, administrative Tasks und um wiederkehrende Abläufe zu strukturieren und zu entlasten könnten wir KI sinnvoll einsetzen. Das schafft Raum für das, was Menschen wirklich gut können: kreativ sein, Beziehungen bauen, Probleme lösen und gemeinsam Entscheidungen treffen. Gleichzeitig sollten wir, wenn wir über Zukunft sprechen, unser Handwerk nicht verlernen. Alle Tools sind nur so gut wie unser Grundverständnis für die relevanten Arbeitsabläufe. Für mich heißt das: bei den Basics anfangen, sie sauber vermitteln, und darauf moderne Systeme aufbauen. Unterm Strich wünsche ich mir eine Arbeitswelt, die kooperativ und kreativ ist und die sich bewusst auf Basiskompetenzen stützt, statt sie durch Tools zu ersetzen.